16. Juli 2017, 11:36 Uhr 540 Leser

Hicker fragt nach: So überleben Sie (vielleicht) die Apokalypse

Bezirksblätter Chefredakteur Oswald Hicker im Gespräch mit Survivaltrainer Martin Mollay

OSWALD HICKER: Wir alle glauben, der Strom kommt aus der Steckdose, das Essen kommt aus dem Supermarkt und das Geld kommt aus dem Bankomaten. Aber, haben wir uns eigentlich schon einmal die Frage gestellt, was passiert, wenn das nicht so ist?
Mein heutiger Gast hat das. Er ist Survivatrainer aus der Buckligen Welt. Herzlich willkommen.
 Martin, wie schaut es aus. Was gibt es da für Szenarien? Ist es überhaupt realistisch, dass plötzlich ein Systemversagen herrscht?
MARTIN MOLLAY: Ja, man sieht es ja auch aus der Vergangenheit, dass es schon öfters vorgekommen ist, das irgendetwas zusammenbricht. Also kann man es durchwegs als realistisch bezeichnen. Der springende Punkt ist nur der: Wann tritt so etwas ein? Tritt es jemals ein, zumindest solange wir leben? Wie dem auch sei, sollte man sich in irgendeiner Form trotzdem darauf vorbereiten.

Also, wann es eintritt, weiß man vor einem Systemversagen meistens nicht. Das kann plötzlich über Nacht kommen, oder sogar von einem Moment auf den anderen. Wenn ich denke, vielleicht ein Atomkraftwerk, das in Grenznähe in die Luft geht oder sonst irgendwas. Und plötzlich bewegt sich ganz Österreich Richtung Westen oder eine andere Richtung. Sowas wäre ein Szenario zum Beispiel.
Genau. Es können tausende andere Möglichkeiten. Es könnte auch ein Polsprung theoretisch kommen. Was auch immer. Also manches Mal hat man ein bisschen eine Vorlaufzeit, manches Mal nicht. Und daher bin ich persönlich auch der Meinung, man sollte, so wie es in der Natur auch vorgegeben ist, gewisse Skills haben und die auch permanent in irgendeiner Form trainieren. Und einfach achtsam sein. Das ich sag, ok, tritt der Tag "X" oder der Moment ein, dann bin ich einfach bereit.

Gehen wir jetzt einmal davon aus, es tritt irgendso ein Fall ein und plötzlich kommt kein Saft mehr aus der Steckdose. Stromausfall ist. Was wäre da alles, was bricht da zusammen überhaupt? Und an was denkt man da gar noch nicht, was man nachher notwendig hat?
Ja, man sollte gedanklich immer bei sich selbst anfangen. Das heißt, erster Schritt ist einmal: Ruhe wahren. Das ist so eine Survival-Regel, die wirklich an oberster Stelle steht. Nicht gleich die Panik ziehen, sondern wirklich einmal sagen: "Ok, jetzt analysiere mal, was ist da passiert?". Die Sekunden die hat man auf jeden Fall. 
Ja und dann kommt der nächste Schritt. Dazu verwende ich immer die sogenannte "Dreier-Regel". Die ist wirklich Gold wert. Weil die besagt, drei Sekunden ohne Aufmerksamkeit, drei Minuten ohne Sauerstoff, drei Stunden unter extremen Bedingungen, Kälte wie Wärme, drei Tage ohne Wasser und drei Wochen ohne Nahrung. Und genau nach diesem Rezept gehe ich vor. Dass ich sage, ok ich bin einmal aufmerksam. Dann sollte ich natürlich herausfinden, was jetzt gerade aktuell passiert ist. Bleibe ich oder gehe ich? Also das sind Entscheidungskriterien, die muss ich treffen. Wenn ich bleibe, dann brauche ich natürlich irgendein Umfeld, sprich Nahrung, Wasser, Wärme usw., dass ich auch diese Zeit, wo ich stationär bin aushalte, um mich zu organisieren. Wenn ich gehe, dann brauch ich halt wieder ein Equipment, wo ich sage, das reicht zur Flucht.

Also sagen wir einmal, nehmen wir den Fall an: Eisregen, wie es jetzt auch im Waldviertel war oder in Slowenien. Oder wie jetzt in Mittelitalien gerade aktuell, ein Erdbeben mit Schneemassen. Ja, ich bleib. Ich habe jetzt noch ein Dach über dem Kopf. Ich habe zwar keine Energieversorgung und keine externe Nahrungsmittelversorgung, aber ich bleibe. Was funktioniert dann alles nicht wie gewohnt und worum muss ich mich dann kümmern?
Ja, in solchen Situationen, wie es jetzt in Italien ist, natürlich, dass die Wärme gegeben ist. Sprich ...

Also, ich dreh einmal am Thermostat vom Heizkörper, da kommt nichts.
Da wird nichts kommen. Deshalb bewährt es sich eben, dass ich Skills habe, wie zum Beispiel "mache ich Feuer". Dann kann ich mir schnell einmal irgendwie aus einer Dosen oder sonst irgendwie einen kleinen Ofen bauen. Feuermittel irgendwo auftreiben. Zumindest habe ich eine Idee, was zu tun wäre, das heißt, wie kann ich meinen Körper warm und trocken halten. Die sogenannte "37-Grad-Regel". Damit ich einmal unmittelbar nicht erfriere oder sonst irgendwelche anderen Probleme bekomme so zu sagen.

Nahrungsversorgung: Da wird es zu spät sein, wenn ich mich dann drum kümmere, wenn nichts mehr ist.
So ist es. Da empfehle ich auf jeden Fall, dass man ein bisschen etwas zu Hause bereithält. Jetzt nicht unbedingt Mengen bis zur Decke gestapelt. Das finde ich übertrieben. Aber für zwei, drei Wochen Nahrung bereithalten ist auf jeden Fall gut. Und dann darüber hinaus kann man natürlich auch etwas einlagern, aber man braucht jetzt nicht die Superpanik schieben und für ein Jahr vorsorgen.

Jetzt habe ich zehn Kilo Reis daheim, das ist relativ leicht zum Lagern, aber jetzt habe ich nichts, wo ich den Reis kochen kann. Was mach ich dann?
Dann tritt wieder die "Dreier-Regel" in Kraft. Feuer machen, das heißt Wärme. Und wenn ich Feuer machen kann und Feuer machen ist relativ einfach und man kann aus sehr vielem Feuer machen, dann muss ich mir eben dann behelfen.

Im sechsten Stock von einem Zinshaus, geht auch.
Im Prinzip schon.

In einer Wohnung.
Mollay: Ja. Aber ich sag einmal ...

Was mach ich da im sechsten Stock von einem Zinshaus, wenn ich kochen will?
Hat es einen Kaminanschluss?

Ja. Sagen wir jetzt einmal Ja.
Ja, wenn es einen hat, dann wäre es natürlich gut, dass ich präventiv schon einen Beistellofen zu Hause habe. Ich finde das sowieso, es sollte jeder Haushalt einen Ofen haben, der selbständig funktioniert. Weil wenn der Strom ausfällt, was machst? Dann erfrieren die Leute bevor sie überhaupt einen Durst kriegen. Also einen Ofen sollte man schon zumindest zu Hause haben zum selbst heizen und wenn nicht, dann muss ich mir halt einen bauen.

Jetzt habe ich vorgesorgt. Ich sitze daheim bei meinem Kachelofen, ich habe wirklich einen. Mir ist schön warm, ich habe einen Beistellofen, da koche ich mir ein Supperl, ich habe Vorräte im Keller, jetzt dauert das ein paar Wochen und der Nachbar sieht, ich hab das und er hat das nicht. Was wäre dann angesagt?
Ja natürlich sollte man sich jetzt nicht auf die faule Haut legen und warten bis bessere Zeiten kommen, weil oft weiß man es ja nicht, ob sie wieder kommen, das heißt ich nutze die Gelegenheit, die Möglichkeiten mich zu organisieren. Da sind wir beim Thema Kommunikation. Wie stehe ich mit meinem Umfeld in Kontakt, wie bin ich da vernetzt? Und ich sollte nicht den Einzelkämpfer spielen sondern wirklich Netzwerke schaffen, so zu sagen: "Ok Leute, wir haben momentan noch genug. Aber jetzt heißt es organisieren."

Also mit der doppelläufigen Schrotflinte mich daheim einzubunkern und zu hoffen, dass keine Plünderer kommen, eher nicht, sondern offen kommunizieren vorher.

So ist es.

Hicker: Sagen gleich, ich teile ein bisschen etwas mit euch, usw., ja in die Richtung

Weil grad am Anfang. Also wenn das Chaos beginnt, dann ist überall Chaos, nicht? Dann fangen sich eben die Leute an zu organisieren. Und die sich organisieren, die organisieren sich dann auch mit der Schrotflinte, wenn es ist, nicht?

Ok, also besser als die Selbstverteidigung und der Objektschutz ist immer noch vorzubauen, dass das vielleicht dann doch nicht passiert, ja?
Richtig, ja.

Das was ich gesehen habe auf der Homepage von dir. Es steht auch, dass man die Ressourcen im Umfeld im Vorfeld sich abchecken soll. Das heißt, ich schau, wo ist ein Kirschbaum oder welcher Nachbar hat Hendln, oder wie muss ich mir das vorstellen?
Ja auch da sind wir wieder beim Thema Kommunikation auf der einen Seite. Auf der anderen Seite Thema Achtsamkeit und Wahrnehmung. Wir Menschen rennen halt oft schon sehr blind durch die Gegend mit dem Smartphone bestückt und dann ist irgendetwas einmal und dann wissen wir nicht einmal wo wir sind, nicht? Aber wenn ich meine Augen und Ohren offen halte, dann kommuniziere ich ja erstens mit den Leuten. Was hat er? Was habe ich? Wie kann man sich da arrangieren? Wie kann man sich etwas teilen? Im Sommer ist es natürlich besser wie im Winter, ist ganz klar. Dann natürlich, wenn ich weiß, wo Bäume sind, sofern, da gibt es natürlich auch verschiedene Pflanzen.


Hicker: Also Nahrungsquellen. Pflanzenkunde wahrscheinlich auch. Dass ich weiß, was kann man überhaupt essen, was kann man nicht essen.

Genau, so ist es.

Jetzt haben wir mal behandelt, wenn wir bleiben. Aber jetzt gibt es Fälle wie das Atomkraftwerk fliegt in die Luft und plötzlich flüchten alle. Was muss ich da berücksichtigen?
Naja. Da gibt es auch

In dieser These.
Auch da gilt, ich meine, wenn ich flüchte, dann sollte ich versuchen, das sortiert, also geordnet machen. Nicht im Chaos, im Wahnsinn. Weil die Leute stürmen alle. Ich mein, wenn es noch eine Regierung und dergleichen gibt, dann werden sich die wohl ein bisserl um eine Ordnung kümmern. Das ist ja nicht das erste Mal, dass irgendwo Evakuierungen stattgefunden haben. Und das ist halt der erste Schritt. Sollte ich vor Ort bleiben müssen, das kommt jetzt darauf an wie knapp ich an dem Objekt bin oder wo die Gefahr ausgetreten ist, dann muss ich mich, wenn es nicht anders ist, verbunkern, verbarrikadieren und eine gewisse Zeitspanne abwarten.

Also ich kenne Leute, die haben immer einen Reservekanister im Auto, weil sie sagen, wenn irgendetwas wäre, wo ich jetzt einmal über ein paar hundert Kilometer weg muss. Es wird keine Tankstelle funktionieren. Oder es werden so lange Schlangen sein, dass es vielleicht zu spät ist bis ich den Sprit kriege oder er ist aus, auf der Flucht. Ja, also ist sowas sinnvoll, wenn ich das mache?

Es ist sinnvoll, aber es ist noch sinnvoller, dass man sich einmal eine Karte hernimmt und sagt, ok, wenn wirklich etwas sein sollte, wo sind meine Kontaktpunkte, der nächste Anlaufpunkt, den ich erreichen kann. Ich nehme mal an, mit einer Tankfüllung, sagen wir 500 bis 700 Kilometer und wie geht es dann dort weiter?

Mm, also immer weiter schauen. Du hast mitgebracht, die Zeit ist leider schon wieder viel zu knapp. Aber du hast immer einen gepackten Rucksack, wo die lebensnotwendigsten Dinge drinnen sind. Dokumente nehme ich an, wirst du bereit haben, griffbereit zum Flüchten und so einen Survivalgurt auch.
Genau. Und da sieht man auch wieder die sogenannte "Dreier-Regel". Wasser ist drauf, Messer. Da drinnen ist Erste-Hilfe-Packerl, Kompass und Kleingerät wie zB Feuerstein zum Feuer machen. Eine Unterkunft ist dabei. Das Ganze hat kein Gewicht. Das kann ich mir umschnallen. Und damit kann ich theoretisch wochenlang, wenn ich weiß wie, überleben.

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