10. Januar 2018, 14:13 Uhr 128 Leser

Hundertwasserhaus: Verblasst, aber nicht heruntergekommen

Laut einem Zeitungsbericht würde das Testament von Friedensreich Hundertwasser die Sanierung seines berühmten Wohnhauses verbieten. Das stimmt so nicht, ein Neuanstrich kommt aber trotzdem nicht in Frage.

LANDSTRASSE. Dass der Tag so grau ist, hilft natürlich nicht. Doch diesig oder nicht, wer das Hundertwasserhaus in der Landstraßer Löwengasse näher betrachtet, stellt fest: Hier hat der Zahn der Zeit zu nagen begonnen. Die leuchtenden Farben, die für Hundertwasser so typisch sind, sind verblasst, die Fassade weist Spuren von Wasserflecken auf.

Ein Zeitungsbericht malte vor nicht allzu langer Zeit ein düsteres Bild: Nicht nur die Fassade, auch das Innere des Hauses sei beschädigt und bedürfe dringend einer Sanierung. Es war von Schimmelbefall und lecken Stellen die Rede. Schuld sei unter anderem das Testament Hundertwassers, in dem eine Renovierung verboten werde. Mit diesem Bericht hatten die Bewohner, so erzählen zwei von ihnen beim Verlassen des Hauses, gar keine Freude. "Vor etwa fünf Jahren wurde innen alles generalsaniert", sagte eine Mieterin, "ich kenne niemanden, der längerfristig Probleme mit einem Schaden hat." Das bestätigt auch Nabil Sarwat, der seit der Fertigstellung des Hundertwasserhauses im Jahr 1986 hier wohnt: "Es kommt vielleicht durch die Bäume - denn welches andere Haus hat schon Bäume am Dach - öfter zu Wasserschäden. Die werden aber immer gemeldet und dann prompt saniert."

So sieht das auch der Leiter der Abteilung Instandhaltung bei der Gesiba, Johannes Kornherr. Die Gesiba verwaltet das Gebäude für die Stadt Wien: "Wir sanieren regelmäßig." Im Inneren ist also alles in Ordnung, 2018 werden außerdem noch alle Gangfenster saniert oder erneuert. Was allerdings stimme: Die Fassade solle, so wollte es Friedensreich Hundertwasser, in Würde altern. Das heißt, dass man ihr nicht einfach einen neuen Anstrich verpassen könne. "Das wäre ein Eingriff in das Gesamtkunstwerk", so Kornherr. Hundertwasser habe das Aufbringen des gefärbten Putzes als seine künstlerische Leistung begriffen, die man nicht einfach so nachmachen könne - es wäre eine Fälschung und genau den gleichen Originalton zu erreichen, sowieso unmöglich. "Hundertwasser hat gesagt, man soll ein weißes Hemd nicht mit weiß flicken, sondern gleich mit rot - dann hat man eine deutlich sichtbare Flicke, ein neues Werk", vergleicht Kornherr. Man versuche, sich an den Wünschen des Künstlers zu orientieren - aber nicht, weil man von Testament oder Rechtsnachfolger dazu gezwungen wurde, sondern aus Respekt und immer in enger Abstimmung der Abteilung Architektur der Stadt. Bröckelt also irgendwo der Putz, wird schon ausgebessert, dann eben in gänzlich anderer Farbe.

Ein Gesicht bekommt Falten, und auch ein Haus darf altern

"Schäden am Haus müssen, sollen und werden daher auch immer instand gesetzt", sagt auch Hundertwassers Rechtsnachfolger Joram Harel. Solange aber nichts bröckelt, sondern die Farben nur blasser werden, lässt man das Haus eben in Würde altern, auch wenn einige der Tausenden Touristen, die es jährlich besuchen, enttäuscht sind, wenn sich die Realität nicht mit dem Bild im Reiseführer deckt. Ein Ansatz, den der langjährige Bewohner Nabil Sarwat verstehen kann: "Wenn man Hundertwassers Bücher gelesen hat, dann weiß man, dass er es so wollte: Ein Mensch bekommt mit den Jahren Falten und auch einem Haus sollte man das Alter ansehen." Trotzdem hätte er nichts gegen einen frischen Anstrich: "Es ist doch eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, und wir wollen ja, dass unsere Besucher nicht enttäuscht sind."

Melden

Aktuell im Bezirk

Meistgelesene Beiträge

zur Desktop-Version