9. Februar 2018, 15:16 Uhr 223 Leser

Zeit der Veränderung in den OÖ Berufsschulen

OÖ. Nach Bekanntgabe der Schließungspläne für mehrere oberösterreichische Berufsschulen hagelte es in den vergangenen Wochen Kritik von verschiedensten Seiten. Bildungslandesrätin Christine Haberlander, Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer und Landesschulinspektorin Gerlinde Pirc sind um Schlichtung bemüht.

Von derzeit 26 Berufsschulen (BS) in Oberösterreich werden in der zweiten Jahreshälfte 2019 noch 22 existieren und diese sollen zu „hochqualitativen Kompetenzzentren“ werden. Noch besser will man in dort dann „punktgenau für die Wirtschaft ausbilden“, sagt Haberlander, darum habe man auch sämtliche Spartenobmänner der Wirtschaftskammer OÖ (WKOÖ) in die Planungen eingebunden. Der kaufmännische Bereich etwa, werde künftig auf fünf anstatt wie bisher auf acht Berufsschulen verteilt sein. Auch andere Bereiche sollen von der Bildung der 22 Kompetenzzentren profitieren – auch weil verwandte Berufsgruppen dort „voneinander lernen“ können. Aufgrund von umfangreichen Evaluierungen im Vorfeld der Einführung dieses neuen Konzepts werden nur neun Standorte nicht von den Veränderungen Betroffen sein. 

Berufsschule Braunau vielleich bald zum Verkauf?

Bei den Schließungen geht es konkret um die Berufsschulen Steyr 2, Wels 2 und Gmunden – sie werden schon mit Ende des aktuellen Schuljahres geschlossen. Im Sommer 2019 wird dann die BS Braunau folgen. Die BS Gmunden wird zwar aufgelassen, jedoch wird das Gebäude in Zukunft von der BS Vöcklabruck genutzt werden bzw. entsteht in der Region das Berufsschul-Kompetenzzentrum Vöcklabruck-Gmunden. Die frei werdenden Räume in Wels und Steyr werden künftig von den ohnehin in den selben Gebäudekomplexen untergebrachten Berufsschulen Steyr 1, Wels 1 und Wels 3 genutzt. Nur für das Braunauer Schulgebäude gäbe es noch keine Pläne, so Haberlander.

Haberlander: „Qualität ist das Um und Auf“

Es gehe einzig und allein um die Wahrung bzw. vielmehr um die Steigerung der Unterrichtsqualität. Ausdrücklich betonen Haberlander und Enzenhofer, dass Einsparungen hierbei nicht im Vordergrund stehen – auch würden diese noch nicht feststellbar sein. „Die Qualität des Unterrichts ist das Um und Auf. Dafür braucht es optimale Strukturen“, so Haberlander zu den Motiven der Schulschließungen. Denn angesichts sinkender Schülerzahlen sei in den betroffenen Schulen schon jetzt kein zufriedenstellender Unterricht mehr möglich.

Pirc: „Viele Lehrlinge sind dankbar“

Zahlenmäßig erklärt Gerlinde Pirc das am Beispiel der BS Braunau: Die optimale Schülerzahl gibt die Schulinspektorin mit 1.000 an, 800 sei die kritische Größe – in Braunau werden derzeit gut 300 Lehrlinge unterrichtet, für manche Berufsgruppen gäbe es nur vereinzelte Anmeldungen. Nach deren Aufteilung nach Linz und Ried, würden 75 Prozent der Braunauer Berufsschüler einen kürzeren Schulweg auf sich nehmen müssen, sagt Pirc: „Viele Lehrlinge sind dankbar dafür“. Überhaupt dürften die Schließungen eher für die Lehrer zum Problem werden. Zwar soll keine Lehrkraft und auch sonst kein Schulpersonal den Arbeitsplatz verlieren, wie Landesschulratspräsident Enzenhofer versichert – ob eine teilweise Vervielfachung des täglichen Arbeitsweges oder gar eine Unterbringung im Schülerinternat für einen Lehrer zumutbar ist, ist eine andere Frage. 40 bis 70 Lehrer werden bis zum Sommer 2019 ihren Arbeitsort wechseln müssen. Von ihnen könne man aber durchaus Flexibiliät verlangen, so der Landesschulratspräsident, es sei schließlich sinnvoller, ein Lehrer fahre zu 30 Schülern, als umgekehrt.

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