9. Januar 2017, 14:01 Uhr 2239 Leser

Angriff auf die Rosa Lila Villa

Kürzlich wurde erneut ein Tötungsaufruf am Community-Zentrum für Lesben und Schwule angebracht.

MARIAHILF. Bereits im November 2015 wurde die "Türkis Rosa Lila Villa" – Wiens Community-Zentrum für Lesben, Schwule und Trans*Personen – an der Linken Wienzeile homophob beschmiert. "Tötet Schwule" war damals an die Hausfassade gesprayt worden. Das war weder das erste noch das letzte Mal, dass das Zentrum, in dem neben Beratungseinrichtungen auch Wohngemeinschaften untergebracht sind, mit derartigen Angriffen konfrontiert war.

Kurz vor Silvester wurde die Villa nun erneut mit einem derartigen Aufruf beschmiert. In serbischer Sprache war an der Hausmauer "Tötet Schwule" zu lesen, versehen mit einem sogenannten Tschetnik-Zeichen – einem Kreuz mit vier Cs, das heute vor allem von serbischen Nationalisten verwendet wird und sich auch an zahlreichen anderen Orten in Wien findet. Eine Hausbewohnerin entdeckte am 29. Dezember um drei Uhr in der Nacht den neuerlichen Angriff. Sie dokumentierte die Schmiererei, um die man sich gleich am nächsten Morgen kümmerte. Künstlerisch wurden der Tötungsaufruf und das nationalistische Zeichen mit Klebeband unkenntlich gemacht. "Wir haben es nicht ganz verschwinden lassen, denn die Menschen sollen sehen, welche Angriffe hier passieren", so die Hausbewohnerin, die aufgrund der Drohungen nicht mit Namen genannt werden möchte.

Anzeige bei der Polizei wurde diesmal nicht erstattet, das hatte schon in vorherigen Fällen zu keinen Konsequenzen geführt. Die Beschmierung – die im November 2015 übrigens mit der gleichen Handschrift und dem gleichen Wortlaut angebracht wurde – ist aber nicht die einzige Bedrohung, mit der die Villa zu kämpfen hat: Mehrfach pro Woche würden Menschen, die aus dem Haus kommen oder es betreten, beschimpft, teilweise sogar aus fahrenden Autos heraus, wie die Hausbewohnerin ihre Erfahrungen schildert. "Es passiert auch regelmäßig, dass die Tür aufgerissen wird und homophobe Beschimpfungen hereingerufen werden."

Solidarität der Öffentlichkeit

Einschüchtern lassen will man sich von solchen Aktionen nicht, aber es herrsche schon eine latente Angst vor Angriffen im Haus. "Unser Haus ist ja bewusst von außen als Community-Zentrum erkenntlich und dadurch ein leichtes Ziel für hasserfüllte Aktionen, das ist uns klar. Aber wir wollen uns nicht verstecken, sondern vielmehr die Solidarität der Öffentlichkeit spüren." Einer, der jedenfalls solidarisch ist, ist Bezirksvorsteher Markus Rumelhart (SPÖ): "Es darf keine Gewalt oder Mordaufrufe geben. Das hat in Wien keinen Platz. Denn in unserer Stadt leben unterschiedlichste Menschen friedlich zusammen. Es muss weiterhin ein akzeptiertes Miteinander, in dem jede und jeder das eigene Leben so leben kann, wie sie oder er es wünscht, geben."

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